
Lugano, am 24. Juni 2025
Im Haus Santa Birgitta in Lugano versammelten sich am 23./24. Juni 2025 die Mitglieder der Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz (VOS’USM) zu ihrer ordentlichen Hauptversammlung. Neben den Berichten, den statutarischen Geschäften und der Reflexion aktueller Themen stand der mitbrüderliche Austausch im Mittelpunkt.
Der Montagmorgen war dem reichen spirituellen und kulturellen Erbe des Tessins gewidmet: Eine profunde Führung durch die Kirche Santa Maria degli Angeli, deren berühmte Fresken von Bernardino Luini zu den bedeutendsten Kunstwerken der Renaissance in der Schweiz zählen, und ein Besuch der Kathedrale San Lorenzo vermittelten einen lebendigen Einblick in die kirchliche Geschichte der Region.
Ein gemeinsamer Gottesdienst mit dem Apostolischen Administrator Bischof Alain de Raemy rundete den Vormittag ab.
Danach befasste sich die Versammlung mit der künftigen Gestaltung der Zusammenarbeit der Ordensgemeinschaften in der Schweiz. Der neu zu gründende Verein soll den Orden und Gemeinschaften künftig eine stärkere, geeinte Stimme gegenüber der Schweizer Bischofskonferenz und der RKZ verleihen.
Ein zentrales Thema der Versammlung war der Austausch im Kontext der nationalen Studie zum sexuellen Missbrauch im Umfeld der römisch-katholischen Kirche der Schweiz. Der Vertreter der VOS’USM berichtete über den aktuellen Stand der umgesetzten Massnahmen sowie über die Bemühungen der Ordensgemeinschaften, sich der Verantwortung zu stellen und konkrete Schritte zur Aufarbeitung und Prävention zu gehen. In vielen Gemeinschaften wird diese Thematik intensiv diskutiert; zahlreiche Massnahmen sind in Vorbereitung oder bereits in der Umsetzung.
Im Rahmen der Neuausrichtung wird die bisherige Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz (VOS‘ USM) nach Errichtung des neuen Vereins und Erfüllung aller rechtlichen Voraussetzungen aufgelöst werden. Der Präsident, P. Andy Givel, leitete die entsprechende Abstimmung mit dem Hinweis ein, dass diese Abstimmung durchaus als historischer Moment betrachtet werden dürfe. Die anwesenden Mitglieder waren sich dessen bewusst und stimmten der Auflösung und der künftigen Verwendung des Vereinsvermögens
einstimmig zu.
Zum Abschluss der Versammlung feierte Nuntius Martin Krebs gemeinsam mit den Versammelten am Hochfest des Hl. Johannes des Täufers den Gottesdienst.
Damit geht eine lange geschichtsträchtige Vereinsgeschichte langsam zu Ende — nicht, weil die Orden und Gemeinschaften nichts mehr zu sagen hätten, sondern um künftig gemeinsam aufzutreten. In diesem Sinne war die Hauptversammlung geprägt von Aufbruch, Verantwortung und einem entschlossenen Blick in die gemeinsame Zukunft der Ordensgemeinschaften in der Schweiz. Ein vielversprechendes Signal in einer
herausfordernden Zeit.
P. Andy Givel
Präsident der VOS’USM