Vom 16. bis einschließlich 19. Juni 2026 hatte ich das Privileg, an der internationalen Konferenz zum Thema Kinderschutz One Commitment, Many Contexts: Safeguarding Across Cultures, die vom Institut für Anthropologie (IADC) der Päpstlichen Gregoriana in Rom organisiert wurde, teilzunehmen. Die Konferenz brachte 300 Teilnehmer aus 60 Ländern aller Kontinente zusammen: Ordensleute, Bischöfe, Laien, Forscher und Fachleute, die sich für den Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen einsetzen, sowie Experten aus der Praxis.

Das zentrale Thema war, dass der Schutz zwar ein universeller Auftrag ist, jedoch stets im kulturellen, sozialen und kirchlichen Kontext jedes Landes Gestalt annehmen muss. Die Konferenz machte deutlich, dass ein wirksamer Schutz nur möglich ist, wenn universelle Grundsätze mit Respekt vor der lokalen Kultur verbunden werden, ohne dabei die Sicherheit und Würde der Opfer aus den Augen zu verlieren.

Ein immer wiederkehrender Gedanke war, dass es keine Standardlösung gibt. Verfahren und Richtlinien sind notwendig, müssen aber stets unter Berücksichtigung der lokalen Situation angewendet werden. Was in einem Land gut funktioniert, erfordert anderswo einen anderen Ansatz. Gleichzeitig dürfen kulturelle Unterschiede niemals ein Grund sein, Missbrauch zu verschweigen oder Opfern unzureichenden Schutz zu bieten.

Während der verschiedenen Vorträge und Workshops wurden unter anderem folgende Themen behandelt:

  • der Einfluss der Kultur auf die Art und Weise, wie Menschen über Missbrauch sprechen;
  • Machtunterschiede und Machtmissbrauch;
  • die Verantwortung kirchlicher Führungskräfte;
  • die Notwendigkeit von Transparenz und Rechenschaftspflicht;
  • die Rolle der Ausbildung und der Weiterbildung;
  • die Zusammenarbeit zwischen religiösen Institutionen, Diözesen und zivilgesellschaftlichen Organisationen;
  • die Aufmerksamkeit für die Opfer und ein traumasensibler Ansatz.

Besonders wertvoll waren die Erfahrungsberichte von Teilnehmern aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Europa und Ozeanien. Obwohl die Herausforderungen oft unterschiedlich sind, zeigte sich, dass das gemeinsame Engagement für eine sichere Kirche stark verbindet. Das gegenseitige Zuhören bei den Erfahrungen der anderen lieferte neue Erkenntnisse und machte deutlich, wie wichtig internationale Zusammenarbeit ist.

Die Konferenz unterstrich, dass „Safeguarding“ kein isoliertes Projekt ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil des evangelischen Lebens und einer guten Leitung. Es erfordert eine Kultur, in der Respekt, Verantwortung, Integrität und die Fürsorge für die Schwächsten selbstverständlich sind.

Für religiöse Institute bedeutet dies, dass „Safeguarding“ ständige Aufmerksamkeit erfordert. Richtlinien allein reichen nicht aus. Es bedarf einer kontinuierlichen Weiterbildung, einer offenen Kultur der Ansprache, klarer Verfahren und Führungskräfte, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Prävention beginnt mit der Schaffung einer sicheren Gemeinschaft, in der sich jeder gehört und respektiert weiß.

Für mich persönlich war diese Konferenz inspirierend und ermutigend. Der internationale Austausch bestätigte, dass viele religiöse Institute vor denselben Herausforderungen stehen, aber auch, dass weltweit viel Fachwissen und Engagement vorhanden sind. Ich kehre mit neuen Ideen, wertvollen Kontakten und der erneuten Überzeugung zurück, dass „Safeguarding“ eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Kirche ist.

Die Konferenz hat erneut deutlich gemacht, dass „Safeguarding“ niemals „abgeschlossen“ ist. Es ist ein fortwährender Prozess des Lernens, Zuhörens, Verbesserns und der Zusammenarbeit. Nur so können wir wirklich zu einer Kirche beitragen, in der jeder Mensch sicher ist und mit Würde behandelt wird.

Sr. Marjolein Bruinen op